
Stiftung sendet eine Botschaft an Politik
Die Familienstiftung Suding hat die Vechtaer Geschwister-Scholl-Oberschule (GSO) mit dem OM-Trio ausgezeichnet. Der Stiftungspreis ist mit 10.000 Euro dotiert. Die Verleihung an die Schule sei eine Würdigung des Engagements von Lehrern und Schülern, hieß es – und sie ist eine politische Botschaft.
Denn: Die Vechtaer Stiftung um Initiator Bernard Suding möchte auf Ungleichheiten im Vechtaer Schulsystem aufmerksam machen. Die Schule hatte um Finanzspritzen geworben, um mit der siebten Klasse in den digitalen Unterricht starten zu können.
Laudator und Gastredner bei der Verleihung im Saal Sextro am Montagabend war Uwe Bartels, ehemaliger Bürgermeister Vechtas und ehemaliger niedersächsischer Landwirtschaftsminister. Er kritisierte in seiner Rede sehr deutlich die „Unwucht“ bei der Verteilung der Schüler an den Schulen in der Stadt; ein Problem, dass er in seiner Amtszeit bis 2011 nicht habe lösen können. Die GSO leiste den Großteil der Integrationsarbeit.
Der Anteil der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund liege an der Oberschule inzwischen bei 82 Prozent. Die Lehrer unterrichten Schüler aus 44 Nationalitäten. Anders an der Ludgerus-Schule: Die Oberschule in kirchlicher Trägerschaft nehme nur begrenzt nicht-katholische Kinder auf, sagte Bartels. Das GSO-Kollegium um Direktorin Anke Magerfleisch wollte als Reaktion im vergangenen Jahr mit neuen Lernmodellen in den digitalen Unterricht starten. Der Haken: Dafür brauchen die Schüler iPads, nur können sich zu viele Familien die teuren Tablets nicht leisten, fürchtete die Einrichtung. Die Schule bat um einen Zuschuss für die private Anschaffung der Schüler-Tablets von der Stadt.
Das sorgte für Streit in der Stadt-Politik. Nach anfänglicher Zustimmung aus dem Fachausschuss des Stadtrats in öffentlicher Sitzung hatte der nichtöffentlich tagende Verwaltungsausschuss die finanzielle Unterstützung der Schüler wieder gekippt.
Begründung: Das sei ungerecht gegenüber anderen Schülern in der Stadt und die Finanzierung eigentlich auch Sache von Bund und Land.
Bartels sagte: Er habe für diese Entscheidung kein Verständnis. Man könne über Bund und Land schimpfen. Aber die Stadt leiste sich seit Jahren eine belastende Schulsituation auf dem Rücken von Lehrern und Schülern, die keine Chancengleichheit zulasse. „Zuständigkeitsstreit hilft niemandem.”
Das Geld für den ersten iPad-Jahrgang beschaffte sich die Schule schließlich mithilfe von Spenden, unter anderem von der Bürgerstiftung – Bernard Suding gehört auch hier zu den Gründern – und von der Suding-Stiftung. Das Preisgeld sei also längst überwiesen, sagte der Stiftungsinitiator. Die Schule übernehme eine wahnsinnig wichtige gesellschaftliche Aufgabe.
Der frühere Wernsing-Geschäftsführer hatte die Familienstiftung 2009 mit seinem Privatvermögen gegründet. Seit ihrem 10-jährigen Bestehen 2019 vergibt die Stiftung die mit 10.000 Euro dotierten Trio-Preise immer am Dreikönigstag. Statt den eigenen Geburtstag will Suding die Preisträger feiern: Das waren bisher außerdem die Aktion Sportler gegen Hunger (SgH) von Kreissportbund und OM-Medien, der Vechtaer Verein Kinderhilfe Rumänien um Pfarrer Richard Büssing und das Hospiz St. Anna in Dinklage, SOS-Kinderdörfer-Spendensammler Reimund Berding und die Lohner Tafel. Die Stiftung lädt zu den Verleihungen die bisherigen Preisträger und Laudatoren ein. Die weiteren geladenen Gäste bittet Suding zu der Feier um weitere Spenden für den guten Zweck. Dieses Mal geht das Geld an die Oberschule. Schon zum Beginn des Abends rechnete Suding mit mehr als 10.000 Euro.
Direktorin Anke Magerfleisch nahm den Preis für ihre Schule entgegen – ein Teil ihres Kollegiums, Schüler und Elternvertreter waren dabei. Sie sagte: Bernard Suding und seine Frau Gisela würden die GSO sehr genau kennen. Sie seien mehrfach in der Schule gewesen und hätten sehr genau hingeschaut. Und sie seien schon lange Unterstützer: In der Schule gibt es dank Finanzspritzen der Stiftung ein dauerhaftes Projekt gegen Extremismus und für Demokratie. Das sei wichtig an einer Schule, an der die Vielfalt so groß sei.
Klar ist für Anke Magerfleisch aber auch: Die Stiftung hat bei der Anschubfinanzierung für den digitalen Unterricht geholfen. In den kommenden Jahren wird die Schule weiter Geld brauchen. Sie bereitet bereits einen neuen Antrag an die Stadt vor.
Uwe Bartels (SPD) hatte die Rolle des Laudators und Festredners spontan übernommen. Als Ehrengast hatte sich auf Sudings Einladung eigentlich der frühere Bundesaußenminister und ehemalige niedersächsische Ministerpräsident Sigmar Gabriel (SPD) angekündigt, dann aber aus familiären Gründen kurzfristig absagen müssen. Gabriel will nun im kommenden Jahr nach Vechta kommen.
Bartels scherzte: Es freue ihn, den Platz als Redner zwischen zwei bedeutenden Bundespolitikern einnehmen zu können.
Im vergangenen Jahr war der frühere Bundespräsident Christian Wulff (CDU) der Ehrengast.




