
Finanzspritze für Bokener Clique
Die Bokerner Clique startet mit einer großen Finanzspritze ins neue Jahr. Die Vechtaer Familienstiftung Suding hat die Lohner Initiative für jahrelange Hilfe in der Ukraine mit dem Stiftungspreis OM-Trio ausgezeichnet. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Hinzu kommen 15.000 Euro Spenden der Gäste der Preisverleihung im Oyther Saal Sextro und weitere 15.000 Euro von der Anke-Hardt-Stiftung. Deren Vorsitzender Dr. Christoph Geiseler war Gast der Veranstaltung.
Mit dem Geld unterstützen Stifter und Spender die Arbeit der Ehrenamtlichen in der West-Ukraine. Der Freundeskreis um den Gründer Willi Seelhorst aus der Lohner Bauerschaft Bokern organisiert seit 30 Jahren humanitäre Hilfstransporte unter anderem für Kinderheime und Schulen.
Der Initiator der Familienstiftung, Bernard Suding, hatte für die Verleihung des OM-Trio einen besonderen Laudator gewinnen können: den früheren Außenpolitiker und Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Roth. Der SPD-Politiker aus Hessen hatte sich massiv für die militärische Unterstützung der Ukraine starkgemacht. Roth war 2022 nur wenige Wochen nach dem Ausbruch des Krieges gemeinsam mit Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) und Anton Hofreiter (Grüne) als einer der ersten deutschen Politiker in der Ukraine. Roth gilt als Russland-Kritiker. Das Engagement der Bokerner Clique nannte er herausragend.
Wer sind die Preisträger – und was machen sie mit dem Geld? Die Bokerner Clique ist ein Freundeskreis. Die Idee für die Gründung der Initiative war ursprünglich aus einer Geburtstagsrunde entstanden, nachdem Gründer Willi Seelhorst einen Hilfstransport in die Ukraine begleitet hatte. Das Land war nach dem Zerfall der UdSSR in Not. Armut war an der Tagesordnung.
Acht Paare aus der Geburtstagsrunde waren zum Start dabei. Sie hatten sich vorgenommen, einen Lkw-Transport mit Hilfsgütern in die Ukraine zu bringen. Die Tour startete 1996. Es war der erste von bis heute 144 Transporten. Ein Schwerpunkt der Hilfe waren am Anfang Kinderheime. Die Initiative setzte zunächst vor allem auf gesammelte Sachspenden.
Für Geldspenden setzen die Ehrenamtlichen auf langjährige Partner und Kontakte in der Ukraine, denen sie vertrauen. Geld ging zuletzt etwa an die Caritas-Spes in Lutzk, an ein Kinder-Erholungszentrum, ein Internat, ein Rehazentrum für Kinder und ein Regional-Krankenhaus.
Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine fahren die Transporte mit speziellen Hilfsgütern. Die Sammlung von Sachspenden hat die Clique eingestellt.
Was steckt hinter dem Preis? Die Familienstiftung vergibt in jedem Jahr am Dreikönigstag, dem Geburtstag des Initiators Bernard Suding, den Stiftungspreis OM-Trio an eine Initiative; um sie zu unterstützen und die Ehrenamtlichen für ihren Einsatz zu würdigen. Die Preisträger werden dann in jedem Jahr wieder zur Verleihung eingeladen – inklusive Festessen.
Über die Vergabe des Preises entscheidet der Vorstand der Stiftung. Schwerpunkte waren bisher Soziales und Bildung: Im vergangenen Jahr ging der Preis an die Vechtaer Geschwister-Scholl-Oberschule; 2024 würdigte die Stiftung mit dem OM-Trio das Engagement der Ehrenamtlichen der Lohner Tafel. Die Bokerner Clique ist jetzt der 7. Preisträger.
Das Preisgeld stammt aus den Erlösen des Stiftungskapitals. Der Vorsitzende Bernard Suding erklärte, das vergangene Jahr sei gut gelaufen. Die Stiftung habe insgesamt eine sechsstellige Summe an soziale, kulturelle, Sport- und Bildungsprojekte verteilen können.
Wie war die Laudatio? Michael Roth schlug einen großen Bogen: vom ehrenamtlichen Engagement der Preisträger über demokratische Mitbestimmungsrechte und Freiheit bis hin zur Lage in der Welt. Er sagte, dass jeder Krieg weltweit ein Angriff auf Deutschland sei, das vom Export seiner Güter lebe. Er berichtete von Erlebnissen in der Ukraine und sprach über die Führung der USA, die Demokratie nicht mehr wertschätze. Und der frühere Außenpolitiker blickte besorgt auf die wachsende Zahl der Menschen, die sich ins Private zurückzögen und von der Couch kritisierten und moserten. „Dadurch ändert sich nichts“, sagte er.
Für Roth steht das Engagement der Lohner Clique gegen diese Entwicklung: Die Initiative packe an – mit Empathie und Tatkraft. Die Ehrenamtlichen seien Brückenbauer.



